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In Deutschland wird der
Impressionismus erst um die Jahrhundertwende, also gut 30 Jahre nach
seiner Entstehung populär. Eine Folge dieser späten
Geburt ist es, dass sich die deutschen Künstler auf die
Pionierarbeit ihrer französischen Vorgänger
stützen
können. Dennoch ist die generelle Ablehnung am Anfang auch in
Deutschland weit verbreitet. Man misstraut
den Bildern, weil sie zu wenig natur- und gegenstandsgetreu waren.
Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gelten als das
Dreigestirn des deutschen Impressionismus. Orientiert am
französischen und mediterranen Lebensgefühl geben sie
ihren
Werken Internationalität und Temperament. Mit dem
Bild rechts
schafft der damals erst 34-jährige
Max Slevogt seinen Durchbruch. Es zeigt einen mit
Slevogt befreundeten Opernsänger aus einer Inszenierung von
Mozarts Don Giovanni.
Slevogt ist musikalisch gebildet, selbst Sänger und schafft
das
Bild wohl auch als Reminiszenz an sein eigenes Talent, dass er
zugunsten der Malerei nicht auslebt. Mit dem Erfolg und der
Anerkennung wandeln sich die Motive und Malstil der Impressionisten.
Der ehemals verschmähte Impressionismus findet zum
Bürgertum. Es entstehen Strand- und Reiterbilder im
Nordseebad Noordwijk, und in der Hauptstadt Berlin wird Max Liebermann
zu einem begehrten Porträtkünstler. Er malt
berühmte Persönlichkeiten wie den Dichter Gerhart
Hauptmann, den Direktors des Kaiser-Friedrich-Museums Wilhelm von
Bode, und sogar den Reichspräsidenten Hindenburg.
1910 hat Liebermann ein Sommerhaus am Wannsee bezogen, das ihm als
Refugium dient und aus dessen prachvollem Garten er viele Motive
schöpft. 1920 wird er zum Leiter der Preußischen
Akademie der Künste.

Nach Jahren der Konfrontation um
Ausstellungsmöglichkeiten für umstrittene Bilder
hat sich 1898 in Berlin die Künstlergruppe Secession
begründet. Gleichnamige Gruppen gibt es sich auch in Berlin
und Wien.
Die Secessionisten sind Gegenpol zur offiziellen, von den
Künstlern als überholt und pathetisch
empfundenen
Kulturauffassung des Kaiserreichs. Kaiser Wilhelm
II. hatte seine Haltung stets klar definiert. Die Kunst sollte
höheren Ideen und Idealen dienen, strebsam sein und das
deutsche Volk moralisch erheben. Für individuelle Empfindungen
und kritische Zwischentöne war hier kein Platz. Schon der Name
Secession (Abspaltung) stellt zu diesen Zeiten des
allgemeinen patriotischen Hochgefühls eine starke Provokation
dar. Die Künstler organisieren Ausstellungen mit im- und
expressionistischen Werken und organisieren sich eine eigene Jury. Zur
Weltausstellung in St. Louis 1904 nahmen sie aber nicht teil, da die
freie Auswahl ihrer Werke verwehrt wurde. 1910 kommt es zum Bruch
innerhalb der Gruppe: Als Bilder von
expressionistischen Malern zurückgewiesen werden,
gründeten einige Rebellen die "Neue Secession".
Im Folgejahr übergibt Liebermann, seinen langjährigen
Vorsitz
der Gruppe an
Lovis Corinth ab.
Die Secessionisten erwiesen ihrem Namen auch weiterhin alle Ehre, denn
der Abspaltungsprozess setzt sich fort.
1914 gründete sich unter der Beteiligung von Liebermann ein
Zusammenschluss mit dem Namen "freien Secession". Sie organisiert
Ausstellungen bis 1923.
Obgleich der Impressionismus in den 30er Jahren seinen Zenit bereits lange lange überschritten hat, erachten die Nationalsozialisten seine Vetreter und seine Werke als eine Gefahr. Am 19. Juli 1937 eröffnet in München die von Reichspropagandaminister Goebbels initiierte Ausstellung "Entartete Kunst". Sie zeigte 650 der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke. Ab 1941 wandert sie über 12 weitere Städte durch Deutschland und findet insgesamt über 3 Millionen Besucher. Durch die Ausstellung sollte der Kunstbegriff der Moderne in der Bevölkerung diffarmiert werden. Schon seit 1933 gab es mit der Reichskulturkammer eine straff organisierte staatliche Organisation, die den den Kulturbetrieb regulierte. Alle Personen, deren Kunstverständnis nicht mit der Nazi-Ideologie übereinstimmte, wurden faktisch mit einem Berufsverbot belegte. Juden waren prinzipiell vom Kunstbetrieb ausgeschlossen. Viele Künstler flüchteten ins Ausland oder gingen in die "innere Emigration", stellten also ihre Arbeit ein und blieben den Machthabern gegenüber unauffällig. Wie viele andere moderne Kunstrichtungen galten auch Im- und Expressionismus als "entartet".

Nach der Bücherverbrennung
von 1933 war die Ausstellung "Entartete Kunst" die zweite
spektakulär in Szene gesetzte Propagandaaktion gegen den
freien Kulturbetrieb. Man beachte die Anführungszeichen um das
Wort Kunst auf dem Titelblatt des Ausstellungsführers im Bild
rechts. Ob die von den nationalsozialistischen
Machthabern beabsichtigte Diskreditierung so auch erreicht wurde, ist
aus heutiger Perspektive gerade
bezüglich des Impressionismus' höchst
umstritten. Nicht nur war die impressionistische Welle zur Zeit der
Ausstellung bereits
wieder am abklingen, die Präsentation lockte nicht
zwangsläufig nur Verächter an. Gerade die Verfemung
der Bilder weckte auch Interesse. Schwerwiegender als die Ausstellung
ist sicherlich die Beschlagnahmung von Kunstwerken und die
Drangsalierung der Künstler einzuschätzen.
Auch stellt sich die prinzipielle Frage nach dem Verhältnis
von Moderne und NS-Regime. Dieses war durchaus ambivalent, was im
Bereich des Films offensichtlich ist. Die Propaganda benötigte
moderne Produktionen, um die Regierungsverbrechen ästhetisch
zu rechtfertigen. In der Malerei gab es durchaus Versuche, Bilder und
die
Intentionen ihrer Schöpfer im Sinne der
nationalsozialistischen Ideologie umzudeuten.